Soyeohang Rai

2001 IN, lebt in Delhi (Indien)

Ausgestellte Werke:

8 Werke ohne Titel, 2022 

aus der Serie »Sisnu«


»Das Erstellen meiner Fotografien und die Beschäftigung mit ihnen gibt mir die Möglichkeit, mich selbst als soziales Wesen zu verstehen – nicht, weil ich damit irgendein Statement abgeben möchte, sondern einfach, um Dinge neu zu überdenken und neu zu betrachten. Schöne Fotos zu machen ist leicht, aber es erfordert Zeit und die Auseinandersetzung mit ihnen, um ihre Absicht zu erkennen. Ich darf mit Sicherheit sagen, dass diese Absicht nichts Statisches ist, sondern sich jedes Mal weiterentwickelt, wenn ich meine Kamera auf etwas richte. Meine aktuelle Recherche dreht sich um die Frage: ›Was verändert sich in mir, wenn sich mein Standort verändert?‹

Sisnu [Brennnessel] ist eine Serie von Selbstporträts, die als Reflexion darüber entstanden sind, wie die Kleidung, die wir tragen, die Art und Weise beeinflusst, wie wir wahrgenommen werden. Im Alter von zwanzig Jahren machte ich mich auf die Suche nach den Wurzeln meiner Vorfahren und plante eine Pilgerreise, stieß allerdings auf Fremdmachung und Ablehnung. Einer der vielen Gründe dafür war, dass ich einen Nasenring trage. In unserer Kultur gibt es einen rituellen Brauch, einen Tanz namens Maruni, bei dem das Männliche das Weibliche willkommen heißt. Männer ziehen ›Frauenkleidung‹ an und tanzen. Abgesehen von den Ritualen, die in den gemeinschaftlichen Traditionen der Vergangenheit verwurzelt sind, werden wir immer davon beeinflusst, wer uns eine bessere Zukunft verspricht – in diesem Fall der Westen. Bevor das Englische in unsere Dörfer eindrang, wo waren da die queeren Menschen? Es gab nur uns, unsere Sprache, unsere Rituale. Ich galt erst dann als queer, als der Westen in unsere Häuser Einzug hielt.«

    Please wait